Guido Sotriffer

VORWORT ZUM KATALOG GUIDO SOTRIFFER-RETROSPEKTIVE 1936 - 1998
Uli Beleffi Sotriffer, Schaffhausen 1999

Unerwartet wurde Guido Sotriffer aufgrund eines Herzleidens aus seiner Umgebung gerissen. Er befand sich inmitten einer ausgesprochen kreativen Phase seiner künstlerischen Tätigkeit, die seit Anfang der achtziger Jahre durch eine sukzessive Hinwendung zur Malerei eine eigene Stossrichtung erfahren hatte. Zwar verstand sich der Künstler durchaus als Bildhauer: Zeit seines Lebens setzte er sich mit dreidimensionaler, plastischer Gestaltung auseinander, was eine Vielzahl von Holzskulpturen, Kleinplastiken in Bronze und grossformatige Gipsreliefs belegen. Auch seine allerletzten Werke, die er nach seinen Vorgaben ausführen liess, sind Figuren monumentaler Ausmaße. Andererseits haben ihn die Farbe und die Möglichkeiten der Malerei so stark fasziniert, dass er erst zögernd, dann zunehmend eigene Techniken entwickelte. Mit dem plötzlichen Entschluss, all seine Skulpturen zu bemalen, begann seine Auseinandersetzung mit dieser Kunstgattung und führte ihn schliesslich zu einer expressiven Malweise, deren eigentlicher Schwerpunkt die Behandlung der Farbtonwerte, der Hell-Dunkel-Effekte und deren Durchdringung ist. Die Sujets, meist Portraits oder Figuren, nehmen dabei einen sekundären Stellenwert ein.

Dank der optimalen Ausstellungsbedingungen können sowohl das bildhauerische als auch das malerische Werk des Künstlers gezeigt werden. Verzichtet wurde hingegen auf eine Präsentation des umfangreichen grafischen Œvres, das wegen seiner Eigenständigkeit eine Sonderstellung einnimmt und separat behandelt werden soll. Die "in memoriam" als Gesamtrückschau verstandene Ausstellung vermittelt die stilistische Entwicklung des Werkes von den radikal abstrakten Anfängen über eine stark traditionell-figurative Periode bis hin zu einer Reduktion der Formsprache in den letzten Jahren, die praktisch nur mehr in einem Dialog zwischen Leere und Masse, zwischen Form und Inhalt, zwischen dem Objekt in seinen statischen Qualitäten und dem Künstler besteht. Seiner Generation und seiner Herkunft entsprechend, orientierte sich Guido Sotriffer an der Klassischen Moderne und nahm an dem für die Grenzregion Südtirol bezeichnenden Diskurs zwischen Norden und Süden regen Anteil, indem er Beziehungen zu Fotografen, bildenden Künstlern und Architekten nördlich und südlich der Alpen pflegte. Entsprechend wurden für diesen Katalog Beiträge in deutscher und italienischer Sprache ausgewählt. Sie beleuchten in erster Linie die Persönlichkeit des Künstlers, dessen Arbeitsweise sowie die spezielle Situation eines Künstlers in Gröden. Eine Würdigung in ladinischer Sprache soll als eigenständige Publikation mit besonderer Behandlung der Tradition und der in den meisten Aufsätzen erwähnten Bedeutung des Umfeldes zu einem späteren Zeitpunkt erscheinen.

Die Familie Sotriffer dankt allen Persönlichkeiten und Institutionen, die an der Verwirklichung dieser Ausstellung und des Werkskataloges von Guido Sotriffer mitgewirkt haben: Der Kulturassessor Florian Schrott der Gemeinde St. Ulrich hat mit großartiger Initiative die Ausstellungsidee aufgegriffen und die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Die Realisierung dieses Druckwerkes wurde ermöglicht durch eine großzügige Unterstützung von Dr. Bruno Hosp, Südtiroler Assessor für Kultur. Design und Gestaltung des Kataloges, die gesamte technische Überwachung der Drucklegung sowie die Auswahl der Objekte für die Ausstellung besorgte Thomas Braun. Das Architektenehepaar Renata und Lino Monti waren unermüdliche Ratgeber in Fragen der Ausstellungsgestaltung. Gerhard Trumler zeichnete für die Photographien verantwortlich, die von Sergio Sutto ergänzt und abgerundet wurden.