Guido Sotriffer

GUIDO SOTRIFFER: BILDHAUER, MALER, ZEICHNER
Prof. Gerhard Trumler, Wien 1998

In einer Landschaft wie dem Grödental, wo unzählige Bildschnitzer seit Jahrhunderten überlieferte Traditionen ungebrochen, aber auch unverändert, pflegen, gibt es nur sehr wenige Künstler, die in einer ganz persönlichen und unverwechselbaren Handschrift ihre Botschaft gestalten.

Einer der herausragenden unter diesen Künstlern ist der Bildhauer, Maler und Zeichner Guido Sotriffer. Aus uralter ladinischer Familie stammend, gestaltet er seine ureigenste Welt wachsam, äußerst genau und oft ausgehend von einem realen Anlaß.

Ihm geht es weniger um das dunkle seelische Rauschen, sondern vielmehr um den konkreten Menschen in all seinen vielgestaltigen Erscheinungen und Metamorphosen. Und Menschen beherrschen auch sein Œvre. Vielgestaltig, realistisch oder geheimnisvoll in all seiner Komplexität, entstanden aus jahrzehntelanger künstlerischer Entwicklung. Guido Sotriffers umfangreiches Werk stellt sehr konkret den Anspruch, sich unbedingt und ohne jegliche Kompromisse menschlicher Belange anzunehmen, solange Menschen auf dieser Erde leben.

Seine Kunst ist ein Plädoyer für das Hinschauen, Mitfühlen, Mitleiden, für das Eingehen auf all die Sorgen, Nöte und Ängste des Einzelnen.

Kunst muß imstande sein, in ihrer Sinnlichkeit zu fesseln und Sotriffers Skulpturen in Holz, Wachs, Gips oder Bronze berühren den Betrachter unmittelbar. Seine Bilder und Zeichnungen vermitteln jene Sinnlichkeit, welche diesem Künstler zu eigen ist.

Guido Sotriffer weiß genau um die Bedingungen des Menschseins, weiß deutlich zu unterscheiden zwischen Freude und Leiden und deshalb ist es für ihn leicht, Anregungen aus Historie und Tradition ebenso wie aus dem ihm umgebenden realen Leben unmittelbar aufzugreifen, abzuwägen, spielerisch zu variieren, faszinierend Gestalt annehmen zu lassen, sofern in den Herausforderungen nur jenes geheimnisvolle Minimum an unwägbarer Anziehungskraft enthalten ist, welches seine eigene Kreativität sensibilisiert, sie beflügelt und erhebt.

Vielleicht aber spielt hier auch der "Genius loci" eine nicht unbedeutende Rolle, denn inmitten der Dolomiten, dieser oft fast bedrückenden steil aufragenden Felsenberge, zu leben, bedeutet, unentwegt der Kleinheit des Menschen in dieser rätselhaft geheimnisvollen und prächtigen, aber manchmal auch bedrängenden, Kulisse der umgebenden Bergwelt zu begegnen.

Seine künstlerischen Manifestationen in die dahineilende Zeit zu entlassen, so daß sie irgendwann einmal Auskunft werden geben können, über die eigene Befindlichkeit, hat für Guido Sotriffer unbedingt etwas Herausforderndes und Reizvolles an sich.